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03.07.2007, 12:37 Uhr | VON ANKE SCHWÖRER-HAAG (erschienen in der Schwäbischen Post am 25.6.2007)
Weiterdenken
Andreas Renner bei der Jungen Union Ostalb
“Ich bin wieder bei meinen Wurzeln angelangt”, stellt Andreas Renner fest, als er auf Einladung der Jungen Union Ostalb in Abtsgmünd über die `Energiepolitik der Zukunft spricht`. Der gerade mal 48-jährige Ex-Sozialminister engagierte sich zu seinen JU-Zeiten besonders für diesen Bereich und versichert, dass er sich heute, als Leiter des Bereichs regenerative Energie bei der EnBW, wohl fühle in seinem Job.

Abtsgmünd Nein. Eine Werbeveranstaltung für die Energieversorgung Baden-Württemberg (EnBW) ist es nicht, was Andreas Renner seinen knapp 30 Zuhörern bietet. Aber nah dran. Denn viele Zahlen, die der Ex-Politiker präsentiert, der nach einer steilen Karriere als Minister vor allem über “seine Sprüche” (Renner) stürzte, nutzt er bei seiner Arbeit als Bereichsleiter natürlich auch.

Zu jeder Energienutzungsform, die er vorstellt – Atomkraft, Wasserkraft, Windkraft, Biomasse, Geothermie, Solarthermie – erfährt das Publikum etliches über die strategische Ausrichtung des großen Energieerzeugers, und aus seiner Sympathie für und seiner Nähe zum scheidenden Vorstands-Chef Utz Claasen macht Andreas Renner keinen Hehl. Den habe er immer als überzeugten Klimaschützer erlebt, versichert der Referent – wobei fast Bewunderung durchklingt und Hoffnung, dass auch nach Claasens Weggang diese Richtung beibehalten wird.

Wie notwendig ein Um- und Weiterdenken in Sachen Energiepolitik sei, zeigt für Renner nicht nur die heute bereits spürbare Klimaveränderung, deren drastische Folgen er vor Augen führt. Auch ein steigender Bedarf in wirtschaftlichen Boomländern wie China oder Indien, die Endlichkeit fossiler Brennstoffe, die Sicherung des Wirtschaftsstandortes und der `langfristig richtige mittelfristig aber unsinnige` Ausstieg aus der Kernkraftnutzung seien Indizien dafür.

Im Energiemix müsse die regenerative Energie einen höheren Stellenwert einnehmen, fordert Renner und sieht Potenzial in der Biomasse und – begrenzt – in der Windenergie. Besonders aber schätzt er persönlich die Erdwärmenutzung. Hier wünscht er sich von der Politik, dass sie echte Anreize setzt für private Investoren. “Wir müssen zu einer positiv-Denkkultur kommen und nicht mit Verboten regieren”, fordert er. Am geeigneten Standort haben für ihn auch Solarenergie (in der Wüste) und Windkraft (off shore im Meer) Kraftwerksqualität. Hier sei die Forschung in punkto Speicher- und Transportkapazität gefragt.

Für den Bürger könnte es sinnvoll sein, direkt an der Steckdose jeweils den aktuellen Verbrauch ablesen zu können – das schaffe Bewusstsein und helfe sparen, meint der Referent, der Bürgermeister Georg Ruf Recht gibt in der Einschätzung, dass in den Gemeinden ein Umdenken eingesetzt habe, wenn öffentliche Investitionen anstehen.

JU-Kreisvorsitzender Michael Dambacher kann am Ende zufrieden Bilanz ziehen. Mit der Feststellung “wir können was machen”, wünscht er den Mitgliedern und Gästen spannende Diskussionen zuhause.